Ein kleines Stück Literaturgeschichte in der Bergstadt
Unsere Heimatstadt ist ja vor allem durch seine malerische Lage an der Mulde, die Burg Mildenstein und die historische Altstadt bekannt. Leider weniger im Bewusstsein steht jedoch eine besondere Verbindung zur deutschen Literaturgeschichte: die Familie des weltberühmten Schriftstellers Ernst Jünger (1895–1998).
Der 1895 in Heidelberg geborene Ernst Jünger (Autor von Klassikern wie „In Stahlgewittern“, „Auf den Marmorklippen“ oder „Heliopolis“), hat aber selbst nie in Leisnig gelebt. Doch ab 1919 wurde unsere Stadt zum Lebensmittelpunkt seiner Eltern und eines Bruders.
Die Löwen-Apotheke als neues Zuhause
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Dr. Ernst Georg Jünger (1868–1943), der Vater des Schriftstellers und promovierter Chemiker sowie Apotheker, die Löwen-Apotheke am Markt (Hausnummer 20) in Leisnig. Bis zu seinem Tod 1943 führte er das traditionsreiche Haus. Seine Frau Lily Jünger, geborene Lampl (1873), lebte ebenfalls hier und starb 7 Jahre nach ihrem Mann.
Der jüngere Bruder Dr. Hans-Otto Jünger (1905–1976), liebevoll von der Familie „Physikus“ genannt, verbrachte einen großen Teil seines Lebens in Leisnig und verstarb 1976 hier.
Das Familiengrab – ein stilles Zeugnis aus Stein
Auf dem Leisniger Friedhof erinnert ein gut erhaltener Grabstein an die drei Generationen der Familie:
Ernst Georg Jünger († 1943)
Lily Jünger († 1950)
Hans-Otto Jünger († 1976)
Der Stein gedenkt zudem zweier Enkel, welche im Zweiten Weltkrieg fielen:
Kurt Deventer († 1945 bei Stettin) und
Ernst Jünger jun. („Ernstel“, 1926–1944), der älteste Sohn des Schriftstellers Ernst Jünger. Gefallen ist er mit nur 18 Jahren bei Carrara in Italien . Sein Tod traf den Vater tief und prägte wohl auch dessen spätere Schriften.
Ein kurioser Verlagsscherz
Eine kleine Anekdote verbindet Ernst Jünger dann doch noch mit Leisnig: Die Erstausgabe seines berühmten Weltkriegs-Tagebuchs „In Stahlgewittern“ (verlegt 1920) erschien offiziell in Hannover – doch ein Teil der Auflage trug den scherzhaften Verlagsaufkleber „Verlag Robert Meier / Leisnig i. Sa.“. Robert Meier war aber kein anderer als der Gärtner im Haus der Eltern – typisch für den feinen Humor Jüngers.
Obwohl Ernst Jünger (der in Wilflingen/Württemberg begraben liegt) nie hier wohnte, hinterließ seine Familie in Leisnig bleibende Spuren. Das Grab auf unserem Friedhof und die Erinnerung an die alte Löwen-Apotheke machen Leisnig zu einem kleinen, aber bedeutsamen Ort in der Biografie eines der bedeutendsten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.

Wer mehr erfahren möchte: Ein Spaziergang über den Leisniger Friedhof lohnt sich – der Stein liegt immer noch gut zugänglich und erzählt eine deutsche Familiengeschichte von Krieg, Heimat und ein kleines Stück Weltliteratur in Leisnig.
Und schaut mal am Markt 20 vorbei: Das Gebäude ist als Denkmal erhalten und ein Stück unserer Stadtgeschichte!
Hier eine Auswahl der Werke Jüngers:https://mein-buchhaus.com/collections/ernst-junger