Moderne Windkraftanlagen mit Höhen von rund 250 Metern verändern das Landschaftsbild in unserer Region inzwischen sichtbar( https://t.me/Leisnig/3848 ).
Ein aktuelles Video von NIUS zeigt eindrücklich, welche Dimensionen bald auf unsere ländlichen Ortsteile zukommen sollen.
In Leisnig ist der Ausbau der Windenergie seit Jahren geplant. Besonders die Ortsteile Clennen/Sitten, Altenhof und Naunhof sind betroffen. Dort sollen insgesamt sieben neue Anlagen mit Abständen von teilweise nur 750 Metern zur Wohnbebauung entstehen – ein Wert, der auf § 84 der Sächsischen Bauordnung beruht.
Der entscheidende Beschluss zur Offenlage der Planunterlagen fiel bereits am 5. Mai 2022 noch unter Bürgermeister Tobias Goth (CDU). Der Stadtrat stimmte damals einstimmig zu. Auch der endgültige Satzungsbeschluss im November 2023 erfolgte ohne Gegenstimmen! Beteiligt waren Vertreter aller Fraktionen: CDU, Wählervereinigung, SPD, Linke und Grüne. Goths Nachfolger Carsten Graf (parteilos) setzte die Planungen fort.
Kritiker, darunter die Bürgerinitiative „GegenWind“ aus Altenhof, halten die geplanten Abstände für viel zu gering. Sie befürchten Belastungen durch Infraschall, Geräusche, Schattenwurf, große Betonfundamente sowie Veränderungen des Orts- und Landschaftsbildes. Auch der gravierende Eingriff in die Natur ist ein großes Thema. Die Initiative sammelte mehrere hundert Unterschriften und forderte ein Bürgerbegehren. Dieses kam aus formalen Gründen leider nicht zustande.
Befürworter verweisen auf den Beitrag zur „Energiewende“, auf kommunale Einnahmen durch Pacht und Gewerbesteuer sowie auf die Möglichkeit, alte Anlagen (Sitten 1) durch leistungsstärkere zu ersetzen. In der offiziellen Begründung der Stadt wurde auf Klimaschutzziele hingewiesen.
Der Kernkonflikt liegt bei den Mindestabständen.
Während die Planungen rechtlich zulässig sind, fühlen sich viele Anwohner in den betroffenen Leisniger Ortsteilen schlicht übergangen.
Der Fall Leisnig zeigt einen typischen Zielkonflikt der bundesdeutschen Energiewende: Wie lassen sich „Klimaschutz“, Versorgungssicherheit und die Lebensqualität vor Ort miteinander vereinbaren?
Eine sachliche und vor allem frühzeitige Debatte sowie mehr Transparenz in der Bürgerbeteiligung könnten helfen, das gegenseitige Verständnis zu verbessern – bevor Verträge abgeschlossen und Fundamente gegossen sind und es dann kein Zurück mehr gibt.
Bereits am 30. April sollen weitere themenbezogene Beschlüsse im Stadtrat erfolgen. Spannend dürfte auch der Antrag der Fraktion der FREIEN SACHSEN „zur Herbeiführung eines Grundsatzbeschlusses zur Sicherung der nachhaltigen Stadtentwicklung und Aussetzung von Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen bis zur Klärung der Verfassungsmäßigkeit von § 2“ (EEG SR 1-18/26) werden.
Es bleibt abzuwarten, ob die Stadträte von CDU, Wählervereinigung, SPD und Linke die berechtigten Sorgen und Nöte unserer betroffenen Ortsteile weiter ignorieren.