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Süßer die Glocken nie klingen…

Ein Kommentar von Sven Hofmann zur Veränderung auf unseren Weihnachtsmärkten:

„In Deutschland entstehen derzeit Bilder, die man früher nur aus Krisenregionen kannte: Weihnachtsmärkte hinter Betonpollern, Synagogen unter Dauerbewachung, Krankenhäuser mit Security und Arztpraxen mit Alarmknopf. Die Politik verkauft das als „Sicherheitsmaßnahme“, obwohl die eigentliche Ursache so offensichtlich ist, dass man sie nur mit viel Mühe übersehen kann.

Statt die Probleme klar zu benennen, wird eine andere Strategie gefahren: Traditionen werden zurückgestuft, kulturelle Identität weichgeklopft, Feste neutralisiert. Alles unter dem Vorwand der Vorsicht. Der Effekt ist eindeutig: Je weniger sichtbar die eigene Kultur ist, desto weniger muss man erklären, warum sie überhaupt geschützt werden müsste.

Während Behörden und Politik krampfhaft versuchen, die Lage als „normalen Fortschritt“ darzustellen, wächst ein Verdacht, über den öffentlich kaum gesprochen werden darf: Dass es gewollt ist, deutsche Traditionen zu schrumpfen, einzupacken oder gleich ganz auszulagern – nicht wegen echter Gefahr, sondern weil man sich damit bequemer aus der Verantwortung stiehlt.

Das Ergebnis: Ein Land, das seine Feste bewacht wie strategische Ziele, aber gleichzeitig so tut, als sei jede Kritik daran ein Angriff auf die Demokratie. Ein Staat, der lieber Traditionen abbaut, anstatt die Ursachen ihrer Gefährdung anzusprechen.

Deutschland schützt nicht, weil es stark ist.
Deutschland schützt, weil es schweigt.
Und dieses Schweigen spricht inzwischen lauter als jede Warnsirene.

Weihnachtsmärkte fallen nicht vom Himmel, sie fallen politisch. Vor 2015 waren Poller an Weihnachtsmärkten undenkbar, Sicherheitszonen überflüssig und Wachschutz brauchte niemand im Akkord. Man ist hingegangen, hat seinen Glühwein getrunken, Bratwurst gegessen und gut war’s. Kein Absperrband, keine Betonklötze, kein Theater. Heute sieht man das Resultat einer Politik, die viele sehenden Auges mitgetragen oder einfach durchgewunken haben.

Und jetzt tut man überrascht, wenn im Westen des Freistaats wieder zwei Weihnachtsmärkte absagen müssen, aus was auch immer für angeblich individuellen Gründen. Verschiedene Gründe, gleiches Ergebnis. Das ist kein Zufall mehr, das ist die Quittung. Wer den Kurs damals wollte oder mit seiner Stimme ermöglicht hat, der darf sich heute gern an sein Lichterfest stellen, das Rad drehen und darüber debattieren, warum es plötzlich nicht mehr Weihnachtsmarkt heißen darf, sondern irgendein weichgespülter Ersatzbegriff.

Ihr habt diese Richtung gewählt. Also zeigt heute nicht mit dem Finger nach außen, zeigt in den Spiegel. Ihr habt den Kurs erst möglich gemacht. Und dann wundert man sich, wenn Betonpoller plötzlich normal werden, als wären sie Weihnachtsdeko, und nicht das Symbol für ein Land, das seine Selbstverständlichkeiten verloren hat.

Weihnachtsmarkt war früher kein Triggerwort und keine Bedrohungslage. Weihnachtsmarkt war ein Gefühl. Ein Duft. Ein Ort. Ein Stück Leben. Und niemand musste das Ding umbenennen, damit sich ja keiner beleidigt fühlt oder eine Religion keinen Gegenwind spürt. Man hat respektiert, aber man hat sich nicht klein gemacht.“

Hätte die Mehrheit damals mit gesundem Menschenverstand gewählt, statt alles schön zu reden, wäre das alles jetzt nicht so. Keine Poller, kein Wachschutz, keine Lichterfest-Umbenennung, kein politischer Kotau vor Empfindlichkeiten.
Und ja, das musst du den Leuten ruhig mal so sagen: Eine Stimme von damals ist das Problem von heute. Nicht die Tradition. Nicht der Markt. Ihr habt es mitgetragen, also tragt heute wenigstens die Erkenntnis.

Sven Hofmann

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Elke und Hermann Flohr

    Sehr inteŕessant. Können jetzt lmmer aktuell mit unserer Heimat- und Geburtsstadt verbunden sein.
    Herzliche Grüße nach Leisnig.
    Elke und Hermann Flohr, ehemalige Besitzer der Firma „Auto Flohr“. Die Firma wurde 1927 von meinem Vater gegründet, besteht also nächstes Jahr 100 Jahre.

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