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Volkstrauertag 2025 in Leisnig

Ganz still wurde es, als eine junge Sprecherin das Schicksal der Urgroßväter und Urgroßmütter in reimenden Worten schilderte. Ihre Stimmen klangen wie ferne Echos aus vergilbten Briefen.
Einige Anwesende schlossen die Augen, als spürten sie die Schatten der Gefallenen, die wie Nebel über der Mulde aufstiegen.
Blätter tanzten im Wind, güldenes Funkeln im Abendrot.

Da war nur mehr Stille nach dem rituellen Ablegen der Gestecke und mitgebrachten Kerzen. Kleine Flammen flackerten wie sterbende Sterne, warfen zitterndes Licht auf das moosbedeckte Sandsteinzeugnis in Leisnig.

Und der Wind flüsterte durch die Ritzen wie ein letztes Gebet:
TREUE ist mehr als ein Wort!
Es ist Bekenntnis und Schwur,
ein Schwert aus Licht in dunkler Nacht,
ein Anker in stürmischer See.
Damit das Opfer, IHR Opfer und Leiden
wie ewige Flammen im Herzen brennen
und niemals vergessen sei!

Möge der Herbstwind die Geschichten weitertragen,
durch unsere Täler und über stille Hügel –
als ein unsichtbares Mahnmal in Liebe und Treue.

Die Witwe

Sie ging im langwallenden Trauergewand,
Einen Knaben führend an jeder Hand.

Sie ging durch die sommerprachtschimmernde Au,
Blond, kräftig und stolz, eine deutsche Frau.

Wie die Göttin der Ernte sie ragend stand
Und zeigte hinaus auf das blühende Land.

Und sagte:“ das alles soll euer sein!“
Und sie zeigte dem Kleinsten den fernen Rhein.

Und sie wies auf den Wald und das tragende Feld
Und sagte :“Seht, Knaben, wie schön ist die Welt!“

„So schön ist die Welt! Daß sie euch nicht verdarb,
Das ist es, wofür euer Vater starb!“

„Für euch sind die Wunden, die Tränen im Krieg,
Für euch war das Leid, und für euch war der Sieg!“

Wie die Göttin der Ernte sie ragend stand,
Und der Sonnenschein küßte ihr schwarzes Gewand…

Maria Kahle